
Thomas Noack
»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.« (Mt 4,4)
In mehreren Einzelaufsätzen, ausgehend von der Bibel wird der Betrachtungsraum in die Vergangenheit (Altes Wort und Urlehre) und in die Zukunft erweitert.
»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.« (Mt 4,4).
Jeder Mensch, der sich ein wenig geistiges Empfinden bewahrt hat in dieser Zeit, spürt, daß die Seele Wahrheit braucht, um nicht zu verkümmern. Der himmlische Vater hat seine Kinder in dieser Hinsicht nie allein gelassen. Immer trug er Sorge, daß irgendwo auf der Erde ein Hort der Wahrheit bestehe. Wir wollen im Folgenden die Geschichte des geschriebenen Gotteswortes nachzeichnen. Dabei stütze ich mich auf die sehr gründliche Vorarbeit von Karl Dvorak »Das Urwort Gottes« und natürlich auf die Neuoffenbarung (Swedenborg und Lorber).
Für uns als Christen ist die Hl. Schrift des Alten und Neuen Testamentes das Wort Gottes. Daher wollen wir von der Bibel mit unseren Betrachtungen ausgehen und aus ihr beweisen, daß es schon vor diesem Worte ein anderes, das sog. Alte Wort, gab. Den Nachweis erbringt Swedenborg in WCR 204-266 und in der Parallelstelle LS 101-103 in der gewünschten Klarheit, die ihm als vormaligen Wissenschaftler eigen ist. Daraus hier nur das im Hinblick auf unsere Thematik Wichtigste. Wir lesen:
»Daher heißt es im Buch der Kriege des Herrn: ›Waheb in Supha, dazu die Bachtäler des Arnon und den Abhang der Bachtäler, der bis in die Gegend von Ar reicht und sich an die Grenze von Moab anlehnt.‹« (4. Mo 21,14f).
»Darum singen die Dichter (hebr. Moschalim, auch mit ›Verkünder der Aussprüche‹ übersetzbar, Hg): Kommt nach Hesbon! Aufgebaut und befestigt werde die Stadt Sihons! Denn Feuer ging (einst) aus von Hesbon, eine Flamme von der Stadt Sihons; die fraß die Städte Moabs und verbrannte die Höhen am Arnon. Wehe dir, Moab! dem Untergang geweiht bist du, Volk des Kamos, der seine Söhne zu Flüchtlingen gemacht hat und seine Töchter zu Gefangenen für Sihon, den Amoriterkönig. Da haben wir (Moab) niedergeschossen, Hesbon ist verloren gegangen bis Dibon; da haben wir verwüstet bis Nophah: Feuer ging aus bis Medeba.« (4. Mo 21,27-30).
»Damals betete Josua zum Herrn, an dem Tage, an dem der Herr die Amoriter den Israeliten preisgab, und zwar rief er angesichts der Israeliten aus: ›Sonne, stehe still zu Gibeon und du, Mond, im Tal von Ajjalon!‹ Da stand die Sonne still, und der Mond blieb stehen, bis das Volk Rache an seinen Feinden genommen hatte. Das steht bekanntlich im ›Buch des Braven‹ geschrieben.« (Jos 10,12f).
Auf dieses »Buch des Braven« (Buch Jaschar) ist außerdem noch 2. Sam 1,17ff hingewiesen. Dort ist ihm sogar ein vollständiges Klagelied entnommen. Es werden also insgesamt drei Bücher genannt: Die Kriege des Herrn (Jehovas); die Dichter, Spruchdichter oder Verkünder der Aussprüche und das Buch des Braven oder Redlichen. Swedenborg darf vermelden, daß es sich dabei um die Bestandteile des Alten Wortes handelt. Der modernen Bibelforschung entzieht sich allerdings die eigentliche Bedeutung der reststückhaften Andeutungen. Sie sieht darin lediglich altertümliche Liedersammlungen, die sie vielleicht auch sind, aber nicht im Kern. Nirgends fand ich die Vermutung ausgesprochen, es könne sich um Überreste eines verloren gegangenen Göttlichen Wortes handeln, das Moses offenbar kannte (woher?) und in seine Bücher einfließen ließ. Daß die Beziehungen enger sind, als die wenigen Fragmente vermuten lassen, wird uns an geeigneter Stelle beschäftigen.
Das Alte Wort konnte offen angesprochen werden, denn es lag ja bereits vor. Anders das Neue Wort der Neuoffenbarung. Dies lag zur Abfassungszeit der Bibel, namentlich des NT's noch in der Zukunft und wurde daher nur in verhüllten Bildern vorhergesagt. Merkwürdigerweise besteht unter überzeugten Bibelchristen die Meinung, Gottes Wort sei mit der Bibel abgeschlossen. Fragt man, womit sie dies begründen, so werden in der Regel zwei Bibelstellen genannt. Offb 22,18f »Ich (Johannes) bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu ihnen etwas hinzufügt, so wird Gott auf ihn die Plagen legen, von denen in diesem Buche geschrieben steht; und wenn jemand von den Worten dieses Buches der Weissagung etwas wegnimmt, so wird Gott ihm seinen Anteil am Baume des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buche geschrieben steht.« Abgesehen davon, daß mit »diesem Buch« nicht die ganze Bibel, sondern nur die vorliegende Apokalypse gemeint ist, beziehen sich »hinzufügen« und »wegnehmen« auch nicht auf die Buchstabenmenge, sondern auf den Sinngehalt. Dieser darf nicht verändert, sprich verfälscht, werden. D. h. daß neue Offenbarungen nicht im Widerspruch zum bisher Gesagten stehen dürfen. Und den Eingang des Hebräerbriefes (1,1-2) »Nachdem Gott vorzeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn« will man so verstehen, als sei Jesus Christus und damit aber nun das uns heute vorliegende NT die letzte Äußerung Gottes, die von Wert ist. Richtig dürfte sein, daß sich der Vater in Jesus Christus vollständig geoffenbart hat. Falsch wäre es aber, daraus zu schließen, über das NT gebe es keine weitere Offenbarung mehr. Wiederum richtig wäre allerdings der Schluß, daß fortan alle Offenbarung im Geiste Christi geschieht, aber der Geist weht, wo ER will (Joh 3,8). Man kann demnach kaum sagen, daß die Bibel neue Offenbarungen strikt ablehnt. Im Gegenteil, sie redet eher dafür. Gerade Paulus, der besonders gern zitiert wird, sagt: »Den Geist laßt in euch nicht erlöschen; prophetische Reden verachtet nicht. Prüfet alles, behaltet das Gute; meidet das Böse in jeder Gestalt!«. (1. Thess 5,19-22). Die katholische Kirche läßt, eingedenk solcher Stellen, immerhin Privatoffenbarungen zu, rechnet aber auch nicht mit einer großen Neuoffenbarung und ist daher der evangelisch-lutherischen Kirche, die das sola scriptura (= allein die Hl. Schrift) zum Prinzip erhoben hat, ähnlich. Dabei ist das gesamte NT von einer einzigartigen Erwartung durchzogen, der Wiederkunft Christi. Aber was heißt das? Bevor wir uns damit beschäftigen, wollen wir uns vergegenwärtigen, wie sich biblische Prophezeiungen erfüllen. Daß sie sich erfüllen, glauben Christen aller Konfessionen und Gemeinschaften. Aber das wie verdient hier besondere Beachtung. Dazu ein Blick ins Alte Testament. Überall finden sich Hinweise auf einen kommen sollenden Messias. Irgendeine Erlösungserwartung war unterschwellig im jüdischen Volke wirksam. So recht ins Klare kam man aber nicht. Ich kann mir gut vorstellen, daß man in der damaligen Lage die messianischen Stellen, besonders in den Propheten, mit einem derart mystischen Geschwafel umgab und so allgemein und unbestimmt darüber dachte, daß man die diesbezüglichen Worte auf diese Weise gleichsam in Luft und Wohlgefallen auflöste, so daß fast nichts von ihnen übrig blieb. Biblische Prophezeiungen erfüllen sich nicht allgemein und unbestimmt, sondern handgreiflich und in geschichtlich fest umrissener Form. Wie mußte es da wirken, als ein Mann aus Nazareth, Jude und Sohn eines Zimmermanns eines Sabbats in seine Synagoge ging, aufstand und aus der Jesajarolle, die man ihm gereicht hatte, vorlas: »›Der Geist des Herrn ist über mir, weil er mich gesalbt hat, damit ich den Armen die frohe Botschaft bringe; er hat mich gesandt, um den Gefangenen die Freilassung und den Blinden die Verleihung des Augenlichts zu verkünden, die Unterdrückten in Freiheit zu entlassen, ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.‹ Nachdem er dann das Buch wieder zusammengerollt und es dem Diener zurückgegeben hatte, setzte er sich, und aller Augen in der Synagoge waren gespannt auf ihn gerichtet. Da begann er seine Ansprache an sie mit den Worten: ›Heute ist dieses Schriftwort, das ihr soeben vernommen habt, zur Erfüllung gekommen!‹« (Lk 4,18-21). Also die Messiaserwartung hat sich in der sehr faßlichen Person des Jesus von Nazareth ganz handgreiflich erfüllt. Ebenso, denke ich, ist es mit der Wiederkunft Christi. Sie gehört zur Botschaft Christi untrennbar dazu. »Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel empor? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel emporgehoben worden ist, wird in derselben Weise kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt auffahren sehen!« (Apg 1,11). Die Himmelfahrt Christi ist mit der Verheißung Seiner einstmaligen Wiederkunft verbunden. Des weiteren lesen wir in allen drei Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas) die bekannte Endzeitrede, wo es u. a. heißt: »Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden alle Geschlechter der Erde wehklagen und werden den Menschensohn auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlicnkeit kommen sehen« (Mt 24,30). Und im Lukas wird von einen Blitz berichtet: »Denn wie der Blitz, wenn er aufblitzt, am Himmel hin von einem Ende bis zum andern leuchtet, so wird es auch mit dem Menschensohn an seinem Tage sein.« (Lk 17,24). Und schließlich bei Johannes: »Wundert euch nicht hierüber! denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern ruhen, seine Stimme hören werden.« (Joh 5,28). Das Fleisch ist so recht das Grab der Seele und des Geistes. Vier Evangelien, Eine Botschaft, von der Wiederkunft Christi; und nun sagt Swedenborg, wobei ich an das »Heute ist dieses Schriftwort zur Erfüllung gekommen« denke: »Die zweite Ankunft (= Wiederkunft, Hg) des Herrn ist kein Kommen in Person, sondern im Wort (einer neuen Offenbarung, Hg), das von ihm und das er selbst ist« (WCR 776) und »Da der Herr sich nicht in Person offenbaren kann ... dennoch aber vorausgesagt hat, daß er kommen und eine neue Kirche ... gründen werde, so folgt, daß Er dies mittels eines Menschen bewirken wird ... In der Kraft der Wahrheit bezeuge ich, daß der Herr sich mir, Seinem Diener, geoffenbart und mich zu diesem Dienst ausgesandt hat.« (WCR 779) Demnach ist die Neuoffenbarung die Erfüllung der Wiederkunft Christi (besser gesagt, dessen natürlicher Ausläufer), und die Wiederkunft Christi in den Wolken des Himmels ist die verhüllte Ankündigung der nunmehr erfolgten Neuoffenbarung Gottes. Demgegenüber erscheinen alle weiteren Hinweise kaum der Rede wert, die wir aber trotzdem anfügen wollen, weil sie das Bild abrunden. »In den letzten Tagen wird es geschehen, spricht Gott, da werde ich von meinem Geist auf alles Fleisch ausgießen, so daß eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden und eure jungen Männer Gesichte schauen und eure Greise Offenbarungen im Träumen empfangen ...« (Apg 2,17 vgl. Joel 3,1-5). Das meiste jedoch steht bei Johannes im Evangelium und in der Offenbarung. Zum Verständnis der Worte sei folgendes vorausgeschickt. Die Wiederkunft Christi ist innerlich und äußerlich zugleich, innerlich als Erleuchtung, die zum Regelfall wird (vgl. Leb S. 60u, HGt I,1,12: Der Stern im Osten), und äußerlich wurden uns dementsprechend die Werke der NO gegeben. Beide Seiten sind innig aufeinander bezogen. Daher sind die Johannesworte einmal im Hinblick auf die Wirksamkeit des Heiligen Geistes und ein andermal mit Blick auf dessen äußere Erscheinung als Neuoffenbarung zu verstehen. Ich bevorzuge jetzt hier die Deutung als objektiv greifbares Schrifttum, jedoch ist das Eine ohne das Andere nicht denkbar. »Der Helfer aber, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch über alles (Weitere) belehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« (Joh 11,26). Wir denken hierbei an die unzähligen Gesprächsprotokolle, die uns der Herr durch Lorber wiedergebracht hat, insbesondere in der Haushaltung Gottes und im Großen Evangelium. »Dies habe ich euch in Gleichnissen (Entsprechungen, Hg) verkündet; es kommt aber die Stunde, da werde ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch mit voller Offenheit Kunde über den Vater geben.« (Joh 16,25). Fürwahr, in der Neuoffenbarung strahlt uns diese Offenheit entgegen. Zwei Mal steht im Johannesevangelium der Satz »Es kommt (aber) die Stunde, ja sie ist jetzt schon da« Joh 4,23 und 5,23. Das ist der Charakter des Fischezeitalters (bzw. des paulinischen Christentums). Etwas ist schon da und doch noch verdeckt. Aber heute leben wir in den Tagen der Offenbarwerdung des Gottmenschen, und in ihm betritt die Liebe und die Wahrheit die Erde. Und da die Liebe die Wahrheit braucht, um existieren zu können, erleben wir den herrlichen Einbruch des Lichtes, die Niederkunft der Stadt Gottes: »Und ich sah die heilige Stadt (= die neue Lehre), ein neues Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen von Gott her, ausgestattet wie eine für ihren Bräutigam geschmückte Braut. Dabei hörte ich eine laute Stimme aus dem Himmel rufen: ›Siehe da, die Hütte Gottes ist bei den Menschen!‹« (Offb 21,2f).
In der NO begegnet es uns unter mehreren Titeln, die hier erst einmal geordnet werden sollen, bevor wir in der nachfolgenden Übersicht alle weiteren Informationen erhalten, die wir den Werken der NO entnehmen können. Im allgemeinen sind drei Schichten zu unterscheiden: a) die Zeit vor der Sündflut, b) die Zeit danach, das ist die eigentliche Zeit des Alten Wortes und c) unsere Zeit. In jeder dieser Schichten taucht das Alte Wort unter besonderen Namen auf.
Das Alte Wort, sofern es sich schon als Schriftwort abzeichnet, heißt hauptsächlich »Buch Henoch« (DT 16,7; HGt III,192,5). Inwiefern dieses Buch Henoch Verwandtschaft mit dem noch heute bekannten apokryphen Buch gleichen Namens aufweist, kann ich nicht sagen.
Bereits in vorsündflutlicher Zeit bildet sich der klassische Titel »Kriege Jehovas« heraus (HGt II,97,24; 142,4).
Weitere Bezeichnungen sind »Sanskrit« (d. Hl. Schrift der Urzeit), das ist die Buchbezeichnung, und »Zenda vesta« (die heiligen Gesichte, die von den göttlichen Führungen der Urmenschheit berichten), das ist die entsprechende Inhaltsbezeichnung des Buches. Es wird ausdrücklich gesagt, daß die Sanskrit und die Kriege Jehovas, zu denen auch ein Buch der Propheten gehört, identisch sind (1856 Erde S. 229; vgl. auch HGt III,192,12).
Das ist die klassische Zeit des Alten Wortes, nach der Bildungszeit. Es heißt hier das Alte Wort, weil es das Wort der Alten Kirche ist, und die Kriege Jehovahs. Bei näherem Hinsehen ist jedoch noch einmal zwischen den Kriegen Jehovas, dem Geschichtsteil, und den Aussprüchen, dem prophetischen Teil zu unterscheiden (DT 16,7; LS 103; WCR 279a)
Auch für unsere Zeit hat das Alte Wort einen Namen. Es heißt fortan »Die Haushaltung Gottes« oder »das neue Buch des Lebens« (DT 16,7; 1856 Erde S. 229; HGt III,88,2). Damit ist uns in der Haushaltung die Urlehre wiedergegeben. Es wäre interessant, ihren Gang durch die Geschichte nachzuzeichnen. In der Urzeit bildete sie sich unter Henoch, in die alte Zeit wurde sie hinüber gerettet, auf die biblische Zeit wirkte sie ein. Dann riß der Faden ab, und Jesus Christus kam. Mehrere Gottesboten bereiteten anschließend die Wiederkunft der reinen Uroffenbarung vor: Aus den Gewässern des Unbewußten aufsteigend Jakob Böhme im Mysterium Magnum (wörtlich: das Große Geheimnis). In die Sphäre des Verstandes eintretend bei Emanuel Swedenborg in den Arcana Caelestia (wörtlich: die himmlischen Geheimnisse). Und schließlich in der Weise der Liebe und des Lebens sprechend durch Jakob Lorber in der Haushaltung Gottes. So hat das Urwort seinen Weg bis in unsere Zeit gefunden.
Das Alte Wort, die Kriege Jehovas incl. (Aus)Sprüche (WCR 279a), Buch Henoch (DT 16,7), gelegentlich auch Sanskrit (nicht zu verwechseln mit dem heutigen S., HGt II,169,7) bzw. Zenda vesta (= d. heiligen Gesichte) und nun auch Haushaltung Gottes (Die Erde, Ausg. 1856, S. 229[1]).
Kriege Jehovas (d. Geschichtliche) und Aussprüche (d. Prophetische). Ein Buch Jaschar (Buch des Redlichen, WCR 265c; Rechtschaffenen LS 103) gehörte zum prophetischen Teil (WCR 279a, LS 103).
Heute vermutet man hinter all diesen Büchern lediglich alte Liedsammlungen (Lex. B. 250).
»Historische Überlieferungen (= geschichtlicher Teil, Hg) von den mannigfaltigen göttlichen wunderbaren Führungen des Menschengeschlechtes in der Urzeit.« (Die Erde, Ausg. 1856, S. 229) Auch im prophetischen Teil werden die »Taten Gottes« geschildert, die die Erlösung des Menschengeschlechtes bezeichnen. Alles ist in heilige Gesichte (bzw. entfernte Entsprechungen, WCR 279b, LS 102) eingehüllt, somit sehr mysteriös und für uns kaum noch zu enträtseln.
Das Alte Wort wurzelt in der Uroffenbarung Gottes aus der Henochzeit. Noah rettete die Kunde davon über die Sündflut hinweg (DT 16,7; HGt II,142,4).
Spätere Aufzeichnungen fertigten die Kinder Noahs mittels entsprechender Sachbilder auf Steinplatten an. Sie bildeten den Stamm des Alten Wortes. (HGt I,169,6)
Im allg. Asien (WCR 279c)
Besondere Erwähnung finden Kanaan, Syrien, Mesopotamien, Arabien, Chaldäa, Assyrien, Ägypten, Sidon, Tyrus und Ninive (WCR 279a, LS 21 u. 102). Auch Persien (Ev I,154,18)
Das Alte Wort ging verloren, weil es kaum noch verstanden und zunehmend verfälscht wurde (LS 102, WCR 279b), jedoch wird es noch von den Völkern der großen Tartarei aufbewahrt (WCR 266, EO 11)[2].
Moses war in die Urschriften eingeweiht (Ev IV,204,4; Ev VI, 233,1-2) und formte aus ihnen gemäß Göttlicher Erleuchtung die ersten sieben Kapitel der Genesis (LS 103, WCR 279d, vgl. a. Anm. F. Horn in SB 2 S. 51). Wörtliche Übernahmen findet der Bibelleser unter 4. Mo 21,14f (Kriege Jehovas) und 4. Mo 21,27-30 (Aussprüche). Auf das Buch Jaschar wird in Jos 10,12f. und 2. Sam 1,17f hingewiesen. Viele Ortsnamen bei den Propheten leiten ihre Bedeutung aus der Verwendung im Alten Wort ab (WCR 279b).
Die Haushaltung Gottes ist das Alte Wort in neuer Fassung (Die Erde, Ausg. 1856, S. 229, DT 16,7).
F. Prochaska, Heidnische Religionen und das Alte Wort
Die Offenbarung Gottes beginnt nicht erst mit dem Alten Wort, sondern reicht weit in die Zeit vor der Sündflut zurück. Allerdings ist das Wort der Ältesten Kirche zunächst jedem ins Herz geschrieben, so daß die Notwendigkeit der äußeren, schriftlichen Festlegung des Herzenswortes vorerst gar nicht gegeben ist. Aber der Mensch entfernt sich eigenwillig vom Logos, der Grundursache alles Seins (Ev I,1,6) und dem wesenhaften Wort. Deswegen wird das Priestertum eingesetzt und dessen alleiniger Hoherpriester Henoch. Er wird zum Inbegriff der Lehre, die nun dem frei fließenden Wort entgegen tritt. Die Urlehre entsteht, dessen erster geschichtlich greifbarer Ausdruck dann das sog. Alte Wort ist, das aber, wie wir sahen, seine Wurzeln in früherer Zeit hat. Über die Urlehre und dessen Aufzeichnung erfahren wir einiges bei Swedenborg, viel dagegen bei Lorber.
1. Die Existenz des Urwortes
»Die Älteste Kirche hatte eine unmittelbare(!) Offenbarung durch den Umgang mit Geistern und Engeln, wie auch durch Gesichte und Träume vom Herrn.« (HG 597)
Aus dieser Stelle halten wir die unmittelbare Offenbarung und die Tatsache, daß die Älteste Kirche Umgang auch mit dem Herrn pflegte, fest. Diesen Ansatz nämlich greift Lorber später auf.
2. Die Beschaffenheit des Urwortes
»Das Wort in der Ältesten Kirche ... war kein geschriebenes Wort, sondern wurde jedem, der von der Kirche war, geoffenbart ... somit hatten sie das Wort in ihren Herzen eingeschrieben.« (HG 2896)
Diese Stelle kann Nur-Swedenborgianer dazu verleiten, Lorbers Haushaltung, die von der Ältesten Kirche handelt, zu verwerfen, was jedoch sehr kurzsichtig wäre. In der Haushaltung wird nämlich geschildert, wie sich schon zu Zeiten der Ältesten Kirche erste Schriftformen des Wortes bildeten. Die Feststellung der Swedenborgstelle, wonach das Wort der Ältesten Kirche allgemein (»jedem«) und innerlich (»kein geschriebenes Wort«) war, darf der Leser nicht verausschließlichen, was er täte, wenn er jedes Schriftwort aus der vorsündflutlichen Zeit verbannen würde. Die Stelle ist vielmehr als Idealzustand und Wesensschau zu verstehen. Dem Wesen der Urkirche entspricht das innere Wort. Tatsächlich entstanden jedoch schon bald unter der Oberhoheit Henochs die Erstlinge des Wortes. Im Lorber kann es nachvollzogen werden, bei Swedenborg ist es angedeutet. Dazu die folgenden Bemerkungen.
3. Henoch und die Lehre
Henoch taucht bei Swedenborg als derjenige auf, der die Innewerdungen der Ältesten Kirche in eine Lehre/einen Lehrbegriff (entsprechend den zwei He(a)nochs) brachte, um sie für die Nachwelt zu erhalten (HG 516-522; 609; 920d; WCR 202 bzw. LS 21). Demnach steht Henoch an der Schwelle der äußeren Gottoffenbarung.
»Diese Lehren bestanden bloß in Bezeichnungen (significativis), und so gleichsam in Rätseln.« (HG 920)
Ähnlich ist nach Swedenborg auch das Alte Wort abgefaßt (EO 11), d. h. wir können auch nur mit Swedenborg die Behauptung wagen: Das Alte Wort ging aus der Uroffenbarung hervor.
4. Hinweis (bei Swedenborg) auf die Haushaltung Gottes
Swedenborg schien sich bewußt zu beschränken, jedenfalls wußte er mehr als er niederschreiben dürfte. Die folgende Stelle gewährt einen Ausblick auf die reichhaltigen Enthüllungen des Herrn durch Lorber.
»In der ältesten Kirche, mit welcher der Herr von Angesicht zu Angesicht sprach, erschien der Herr wie ein Mensch, wovon vieles berichtet werden kann, aber es ist noch (!) nicht Zeit.« (HG 49)
In der Haushaltung Gottes liegt dann die Erfüllung dieser Prophezeiung vor uns und gleichzeitig DIE Quelle, um das Werden der Urlehre nachzuzeichnen.
Nachdem das für die Älteste Kirche kennzeichnende Innewerden dahinschwindet, tritt als Ersatz die äußerlich faßbare Lehre hervor. Ähnlich wie die Logik des Traumes eine andere ist, als die im wachbewußten Zustand, sehe ich auch die Lehre einer anderen Gesetzmäßigkeit unterstehen als das freie, ungebundene Innewerden, das stets neu aus den Tiefen des Geistes aufquellen kann. Die Lehre steht dem gegenüber ständig in der Gefahr eine Verengung zu werden, womit sie aus dem Leben des Geistes herausstirbt. Das nennt man dann Dogmatismus oder einfach gesagt einen Lehrbegriff, der Härten unweigerlich hervorbringen muß. Eine erstarrte Lehre muß wesensmäßig auch unterdrücken. All das können wir in Hanoch, der großen Stadt in der Tiefe, beobachten. Doch der Reihe nach. Die Lehre kann aber auch unverbrüchlich mit der Liebe, ihrem eigentlichen Grund, eins bleiben. Dann bleibt sie lebendig und kann für sich niemals sterben. Lediglich einer zu arg gewordenen Welt kann sie aus dem Blickfeld treten. Das ist es, was uns Henoch, der Hohepriester der Urzeit, lehrt. Er starb nicht, aber wurde entrückt. Diesen Zusammenhang gilt es nun genauer zu beleuchten.
Interessant ist die merkwürdige Doppelartigkeit Henochs, von der schon die Bibel kündet. Sie kennt zwei Vertreter dieses Namens im Rahmen der Urgeschichte (Gen 1-11). Später tauchen noch zwei weitere Henochs auf, die uns hier aber nichts angehen. Gen 4,17 heißt es »Dem Kain gebar hierauf sein Weib einen Sohn, Henoch; und als Kain dann eine Stadt erbaute, benannte er sie nach seines Sohnes Namen Henoch.« Dieser Henoch ist sonach der Erstgeborene Kains, der jedoch, wie wir aus der Haushaltung erfahren, bald stirbt und nur noch in der toten Stadt seines Namens übrig bleibt. Das ist das harte Buchstabenwort oder die materielle Denkvorstellung einer Sache, die an sich auf der Höhe lebt und dort der andere Henoch ist. Auch oder gerade auch von ihm weiß die Bibel zu berichten. Er steht in der Geschlechterfolge Seths Gen 5,18 u. 22-24. Seine Entrückung ist mit den Worten »Henoch wandelte mit Gott und war plötzlich nicht mehr da, denn Gott hatte ihn hinweggenommen« verzeichnet.
Aus der Haushaltung Gottes geht hervor, daß dieser Henoch, der andere heißt dort Hanoch, der vom Herrn eingesetzte alleinige Hohepriester der Höhe und später auch der Tiefe war (HGt II,142,13 und 240,11). Unter seiner Obhut ist demnach die Werdung des Göttlichen Wortes gestellt. Er ist der Inbegriff der reinen Göttlichen Liebeslehre, die eines Tages aus dem Bewußtsein der Menschen verschwand. Nach Jakob Böhme wird Henoch wieder aus dem Mysterium hervorkommen. Er ist der Anfang Göttlicher Wortoffenbarung und auch dessen Ende (Seelfr. 35,19-20). Wahrscheinlich dürfen wir in der schon im Lorber angekündigten nächsten großen Offenbarung die henochsche Schlußoffenbarung erblicken. Dann wäre der Kreis geschlossen und ein Zeitlauf vollendet.
Die Urlehre ist also eng mit dem Namen Henoch verbunden. Erwähnenswert ist vielleicht noch, daß ein Wissen darum in den Mysterien und Überlieferungen herumgeistert. So berichtet die jüdische Tradition, daß Henoch, bevor er entrückt wurde, die Grundelemente der Religion und des Wissens auf zwei Steine; die man Säulen Henochs nennt, eingemeißelt hatte. Außerdem soll dieser Henoch gleichbedeutend sein mit dem Hermes Trismegistos der Ägypter und dem Kadmos der Griechen. Erwähnt werden soll auch noch, daß ein apokryphes Henochbuch existiert, das den Verlauf der Weltgeschichte bis zur Vollendung aller Dinge zum Inhalt hat. Aber das sind alles sehr dunkle Dinge, aus denen man ohne NO nicht schlau wird und mit NO braucht man sich damit wohl nicht zu befassen, denn das Neue Wort bringt alles so überklar und verhältnismäßig leicht faßlich.
1. Die gottberufenen Schreiber
Vratah f. d. Schriftzeichen (HGt II,58)
Horidael f. d. Entsprechungen (HGt II,65,19)
Garbiel und Besediel f. d. Vergangenheit (d. Geschichtliche)
und die Zukunft (d. Prophetische) (HGt II,97,21).
Garbiels Buch: »Jehovas Streit, Zorn und Krieg«
Besediels Buch: »Jehovas, des großen Gottes, Liebe
und Weisheit«
Anm.: Hier finden sich bereits erste Anklänge an das Alte Wort, a) in der Einteilung (Geschichtliches und Prophetisches) und b) im Titel, noch deutlicher in HGt II,142,4.
Sehels (Michael) Fußtritt (Fuß = D. äußere Schriftzeichen) bed. die Liebe befruchtet das Göttliche Wort
2. Schriften von Königen der Tiefe
a) (Überlieferungen Faraks, evtl. lagen sie auch schriftlich vor)
b) Lamech (an die Völker der Tiefe) (HGt III,122,11)
c) Die Kinkar-Schriften
ein groß angelegtes Sammelwerk, das auf ein Buch Henoch zurückgeht, abgeteilt in zwei Büchern: 1. Buch: »Die heilige Schrift (Sanah scritt)« und »euer Heil (Seant ha vesta)«. 2. Buch: »Die heilige Geschichte Gottes (Seant hiast elli)«
3. Schriften der Stammväter des Ostens, Meduhed (Japan) und Sihin (China)
a) Worte Meduheds (HGt I,32,5), allen voran das Hohelied des Meduhed (HGt I,32,6)
b) Andeutungen über chinesische Urschriften finden sich in HGt I,37
Schließlich gab es noch intellektuelle Schriften, die aber nicht als Gotteswort gelten können, z. B. »Die heilige Akte« (HGt III, 231,3)
Das Alte Wort war in »bloßen Correspondenzen« (EO 11) geschrieben, d. h. es kümmerte sich um die Gesetzmäßigkeiten der äußeren Welt überhaupt nicht. Das israelitische Wort ist zwar auch in Entsprechungen geschrieben, und meint somit geistige Dinge, es ist aber dem natürlichen (logischen) Denken angepaßt. Die Inhalte sind entweder in einen historischen Zusammenhang eingekleidet (in den Geschichtsbüchern) oder aber doch wenigstens so gehalten, daß selbst im Buchstaben noch eine moralische oder heilsgeschichtliche Bedeutung durchschimmert (bei den Propheten). Das israelitische Wort ist demnach dem natürlichen Menschen angepaßt. Obgleich ihm die reingeistigen Dinge entgangen sind, kann er doch noch Vorschriften und Gebote für sein Leben aus dem Worte übernehmen.
Zum israelitischen Wort gehören alle Schriften des AT's, die von Gott herstammen und in Entsprechungen abgefaßt sind. Es ist wichtig, daß beide Bedingungen erfüllt sind, denn die Wissenschaft der Entsprechungen war in den ältesten Zeiten allgemein verbreitet, so daß alle Schriften in Entsprechungen abgefaßt wurden, die deswegen noch lange nicht Wort Gottes sind. Beispielsweise das Buch Hiob: Es ist ein Buch der Alten Kirche, voll von Entsprechungen, gehört aber nicht zum Göttlichen Wort, trotzdem ist es von hohem Wert. Ebenso steht es mit den Hieroglyphen der Ägypter und den Mythen, die alle voll von Entsprechungen sind, und dennoch nicht den Rang eines Gotteswortes einnehmen (vgl. WCR 201). Was gehört nun zum israelitischen Wort und was nicht? Der Herr sagt bei Lukas: »Dies besagen meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: es müsse alles in Erfüllung gehen, was im mosaischen Gesetz, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.« (Lk 24,44). Damit autorisiert der Herr Moses, die Propheten und die Psalmen als Sein Wort, denn sie weisen auf Ihn. Auf Moses und die Propheten wird außerdem in der Erzählung vom reichen Mann und vom armen Lazarus (Lk 16, 19-31) hingewiesen. Erwähnt werden muß auch die Verklärung Jesu auf dem Berge Tabor. Als das fleischgewordene Wort seine innere Herrlichkeit offenbarte, waren auch Moses und Elia anwesend, womit ihre Teilhabe ausgedrückt ist. Moses steht für die Mosisbücher und Elia für die Propheten. Um aus dem bisher Gesagten nun die Auswahl treffen zu können, was zum Wort gehört, muß man noch wissen, daß die Juden ihre Propheten in frühere und spätere eingeteilt hatten. Zu den früheren zählten Josua, Richter, Samuel und die Könige. Die späteren sind die uns bekannten mit Ausnahme von Daniel. Durch Swedenhorg bezeichnet uns der Herr die folgenden Bücher als Sein Wort im AT: »Die fünf Bücher Mose, das Buch Josua, das Buch der Richter, die zwei Bücher Samuels, die zwei Bücher der Könige, die Psalmen Davids; die Propheten: Jesajas, Jeremias, Klagelieder, Ezechiel, Daniel (!), Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jonas, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharias, Maleachi.« (HG 10325). Wir sehen also, einige Bücher gehören zwar zur Bibel aber nicht zur Hl. Schrift.
Wir sahen schon, daß zwischen Moses und den Propheten, d. h. den späteren, zu unterscheiden ist. Warum? Durch Moses wird noch die einstige Urlehre durch Henoch, die über Noah bis auf die damalige Zeit herabkam, tradiert. Denn Moses studierte in Ägypten die alten Urschriften Gottes (Ev IV,204,4, Ev VI,233,1f; Aur 18,1; 19,79; WCR 279). Es gab kein Mysterium, in das er nicht eingeweiht gewesen wäre. So bildet also das urtümliche Wissen des Alten Wortes die Grundlage, in die sich dann die eigenständige Offenbarung Gottes an Moses einkleidet. So gesehen dürften die Beziehungen zwischen dem Alten Wort und den Mosisbüchern viel enger und vielfältiger sein, als es die wenigen offenbaren Anklänge (s. o.) vermuten lassen. Der gesamte Bildungshintergrund des ersten Propheten der Hebräer entstammt dem Alten Wort, also dem Urworte Gottes. Dieses ist jedoch durch die lange Tradition inzwischen soweit abgeschwächt, daß es einer neuen göttlichen Bekräftigung bedarf, die es in Moses erhält. Damit treten wir in die Zeit der biblischen Verkündigung Gottes. Menschlicher Eigennutz machte jedoch auch vor diesem damals neuen Bund nicht Halt. Moses schrieb seine Offenbarung nicht nur in den uns bekannten 5 Büchern, sondern in 7 Büchern nebst einem prophetischen Anhang nieder (Ev VI,216,6ff; 221,5; 223,6; VII,61,8; 183,11f; IX,92,3-10). Die heute fehlenden Teile wurden dem Volke schon früh vorenthalten und gehörten zum Geheimwissen der Priester. Daraus entstand die jüdische Geheimlehre (Kabbala) (Ev IX,124,3; 183,3; X,130,1; 203,11). Aber auch sie, einmal der Willkür ausgesetzt, ging mit der Zeit praktisch verloren. Zu Jesu Erdenlebenszeit bestand schon eine sog. kleine Kabbala, die ein »schlechtester Auszug« (DT 11,48) der großen war. Heute legen die Belehrten den Beginn der Kabbala auf das 12. und 13. Jahrhundert. Was zu der Zeit von der Urkabbala noch übrig geblieben war, läßt sich wohl leicht denken. Die Unterdrückung des Göttlichen Wortes und die eigenwillige Verdrehung desselben machen das Auftreten der (späten) Propheten notwendig, die nurmehr in stark verhüllten Bildern sprechen. Ihr Ruf ist ein Ruf zur Umkehr. Ihre Botschaft, soweit verständlich, spricht vom Gericht und von einem Messias, einem Gesalbten, der sein Volk erlösen wird.
In Jesus Christus nahm im Jahre 4151 nach der Erschaffung Adams (Ev VIII,86,3) das Urwort selbst Fleisch an (vgl. Prolog des Johannesevangeliums). Damit tritt etwas völlig Neues auf. Was geschieht? Jesus Christus versteht sich selbst als die Verkörperung des Alten Testaments (Mt 5,17; 1,22; 26,56; Lk 24,27 usw.). Was heißt das? Nicht mehr und nicht weniger als: ER erweckt den toten Buchstaben zum Leben. »Ich bin die Auferstehung und das Leben.« (Joh 11,25). Ein Wort lebt plötzlich. Das hat es noch nie gegeben. Durch Jesus Christus wird die äußere, tote Offenbarung (daher Testament) in die innere, lebendige Offenbarung umgewendet. Hier lassen wir erneut Johannes sprechen: »Wer an mich glaubt, aus dessen Leibe werden, wie die Schrift gesagt hat (Joel 4,18; Sach 14,8; Hes 47,1-12), Ströme lebendigen Wassers fließen.« (Joh 7,38). Als Bild des Ergußes Göttlicher Wahrheit in die menschliche Seele. »Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.« (Joh 14,21). Mit Jesus beginnt das Zeitalter des Hl. Geistes, das innere Gottesreich und der wahre homo sapiens (= weiser Mensch). Denn die Weisheit ist das Licht der Liebe, und Jesus brachte die Liebe zum Durchscheinen und ermöglicht damit den lebenslichten Menschen, der am Ende der Tage von Gott gelehrt ist (vgl. Joh 6,45). Jedoch mußte eine Zwischenzeit (»die Nacht« WCR 760ff) vergehen, in der die Welt ihren gewohnten Gang noch weitergehen konnte. Und so blieben vom Wirken Jesu nur magere Textzeugen übrig, vier Evangelien, die dennoch das Wichtigste enthalten. Und eine Offenbarung, die des Johannes. Von ihr sagt der Herr im Großen Evangelium: »Wie aber das alles (= die Wiederkunft Christi, Hg) geschehen wird, das werde ich dir, du Mein Bruder Johannes, nachdem Ich wieder in Meinen Himmeln wohnen werde, noch in dieser Welt für alle Welt in verhüllten Bildern offenbaren!« (Ev I,216,15). Das letzte Buch des Neuen Testamentes und somit auch der Bibel schildert das verborgene Rumoren im Fischezeitalter, das schließlich doch zum Durchbruch der Klarheit (Wassermann) in nie dagewesener Majestät ausmündet. Und damit hätte sich dann die jesuanische Wende vollends durchgesetzt. Die Werke der Neuoffenbarung gehören, wie schon gesagt, äußerlich, formgebend zu dieser zweiten Ankunft des Herrn. Nehmen wir sie an! Verwerfen wir sie nicht, den Einen (Swedenborg) wie den Andern (Lorber). Sie führen uns zu den Ufern einer neuen Welt, da Licht und Leben ist.
»Es spricht der, welcher dies bezeugt: ›Ja, ich komme bald!‹ ›Amen, komm, Herr Jesus!‹« (Offb 22,20)
Der Herr lehrt seine Kinder in den Gestalten des Asmahael, Abedam, Abba u. a.
A) URLEHRE (Henoch)
1. Die henoch'sche Urlehre
aufgezeichnet durch Vratah, Horidael, Garbiel und Besediel
2. Die Kinkar-Schriften
ein groß angelegtes Sammelwerk auf ein Buch Henoch
zurückgehend.
1. Buch: »Sanah scritt« (= Die heilige Schrift).
»Seant ha vesta« (= Euer Heil)
2. Buch: »Seant hiast elli« (= Die hl. Geschichte
Gottes)
Anm.: Das heutige Sanskrit ist nur ein verkümmerter
Abkömmling der Urschrift (vgl. HGt II,169,7)
3. Sonstige Schriften
4. Noah rettet die Urschriften über die Sündflut hinweg. Das Alte Wort (Kriege Jehovas und Aussprüche)
Gott offenbart sich Moses auf dem Berge Horeb (Sinai) unter Blitz und Donner.
B) BIBEL (Moses und d. Propheten, HGt I,46,2)
5. Moses studierte in Ägypten die Urschriften, die
somit auf die alttestamentliche Offenbarung formgebend einwirken.
Mose schrieb seine Offenbarung in sieben Büchern nebst einen
prophetischen Anhang nieder. Aus dem 6./7. Buch und dem Ahg. wird die
jüdische Geheimlehre (Kabbala).
6. Die Propheten (Jesaja, Jeremia usw.) mahnen zur Umkehr, drohen das Gericht an und verheißen den Messias.
Der geschichtliche Faden zur Urlehre reißt ab. Das Wort nimmt in Jesus Christus Menschengestalt an.
7. Vier Evangelien und Johannesapokalypse
Die Briefe gehören nicht zur Hl. Schrift. Für die
noch im Dunkeln wandelnde Menschheit reicht das aus.
Wiederkunft Christi innerlich, - und äußerlich in den Werken der Neuoffenbarung.
C) NEUOFFENBARUNG
8. Mehrere kleinere Gottesboten wie Lichter in der Nacht
9. Swedenborg und Lorber überbringen die Neuoffenbarung
10. Die noch ausstehende Schlußoffenbarung, wahrscheinlich wieder durch Henoch (Raphael).
[1] in den neuen Auflagen nicht vorhanden
[2] F. Horn merkt zu WCR 266 an: »Swedenborg verstand unter der Großen Tartarei nicht, wie man vermutet hat, Tibet, sondern das Gebiet der äußeren Mongolei.« Lorber hingegen gibt in Die Erde 1856 S. 229 »Ganz in der Mitte von Asien, im hohen Tibet« an.